Frust!

Veröffentlicht auf von Umo

Werte Leserinnen, werte Leser!

Heute möchte ich einmal Dampf ablassen, bitte verzeihen Sie mir diesen Artikel, es muss einfach sein. Vielleicht merkt man meine Rauchschwaden schon von weiter Ferne - nein, es sind keine Morsezeichen, sondern eher Wut, die raus muss.

Kennen Sie die Situation, wenn Sie um halb fünf Uhr morgens im Wagen sitzen, des gemütlichen Weges in die Arbeit sind - na gut, manchmal etwas gehetzt - und plötzlich kommen Sie einer Ampel näher. Und wie es so die brave Art des unbescholtenen Bürgers ist, wenn sie ... und das nur eine halbe Minute, bevor Sie noch dort sind, auf rot umschaltet? Wir werden ja stehen bleiben. Und wir warten. Wir sind alleine auf der Straße. Weit und breit kein Autofahrer, kein Fussgänger und nicht einmal irgendein Tier oder etwas bewegliches in Sicht. Und wir warten und unsere Gedanken beinhalten ungefähr dieses: "Verdammte Ampel! Reiz mich doch nicht in aller Frühe!"
Die Technik, die mich in aller Frühe veräppelt ... ich kann ihre Gedanken schon in mir aufnehmen, die bestimmt lauten: "Tja dein Pech, jetzt stehst du wie blöd da und wartest." Und ich denke mir noch, ja ich könnte fahren, es sieht mich doch keiner - keine Menschenseele! Alle schlafen oder sind weiß der Gott alleine, wo unterwegs! Nur ich stehe vor dieser Ampel und warte auf das Grün! Als hätte ich nicht genug Verantwortung über jene Entscheidung, einfach drüber zu fahren, es kann nichts passieren, wenn im Umkreis von 1000 Metern und noch mehr nichts ist! Nichts Bewegliches! Ja nicht einmal etwas Stehendes! Nur ich und diese Ampel und der Zebrastreifen und das Werbeplakat, wo ein werter Herr mit Daumen hoch mich anlächelt. Ja, lach nur, du kleiner Held du!

Ein Morgen geht vorrüber. Und die Ampel wechselt wie gewohnt von grün auf gelb auf rot auf gelb auf grün. Das ist ihr Job. Bei der Hauptverkehrszeit macht sie ihren Job recht gut, aber davor ist es für sie ein Hohn, mich da warten zu lassen und über mein Verantwortungsbewusstsein nachzudenken. Es ist doch gut, wenn es Regelungen gibt, aber ist es nicht erlaubt, nicht im geringsten erlaubt, mir die Entscheidung zuzumuten, dass da eh überhaupt keiner kommt und ich drüberfahren darf. Nö, Bürger mit Verantwortungsbewusstsein bleiben da stehen. Denn ... sowas wie weiter fahren tut man ja nicht. Pfui!

Der nächste Morgen bricht an. Und ich hatte mir auch keine Gedanken mehr um diese werte Ampel gemacht. Doch Tage später ging sie mir nicht mehr aus dem Kopf. Wie schaffe ich es, diese verflixte Ampel zu umgehen, beziehungsweise, dann dort anzukommen, wenn sie auf grün zeigt! Ich denke an diese Visionen, die ja wahr werden, wenn man sie los lässt und ich visualisiere grün und ... die Ampel zeigt abermals auf Rot! Nun gut, sie will den Krieg. Keine Visualisierung - dann eben anders! Und ich rechne aus, wann ich wegfahren muss, um bei Grün über die Ampel zu fahren. Und sie zeigt auf Rot!

Also wird es auch daran liegen, dass ich nicht nur die Wegfahrzeiten einhalten sollte, sondern auch das Tempo. Fahre ich langsamer als sonst, dann ist Zeit- und Wegberechnung umsonst gewesen. Nun bin ich kein Mathematikgenie und mit Zahlen habe ich sowieso nie Freundschaft geschlossen. Entweder ich nehme es so hin, dass einfach die Ampel auf Rot zeigt, wenn ich komme und den Daumen hoch Typen, der mir von der Leinwand entgegengrinst oder ich überlege mir eine andere Route.

Den Umständen entsprechend wäre es wohl abwägiger die paar Minütchen zu warten, bis die Ampel wieder auf grün zeigt und einfach ruhig zu bleiben. Also Entspannungsmusik und einfach ... schon wieder rot! ... stehen bleiben.
Nein, es geht ums Prinzip! Ich stehe da regelmässig vor dieser Ampel und keine Menschenseele kommt mir entgegen oder weder von der rechten noch von der linken Seite! Einmal im Sommer, ich erinnere mich genau, war das einzige Wesen, was diesen Zebrastreifen überquerte eine Taube gewesen. Eine Taube und selbst die drehte den Kopf in meine Richtung ... ich möchte nicht wissen, was sich diese Taube von mir gedacht hatte (aber zugegeben ... gefreut hatte ich mich sehr, dass überhaupt irgendjemand zu dieser Zeit die Straße überquert hatte).

Wohl oder übel muss ich diese Ampel wohl akzeptieren. Kennen Sie das? Haben Sie auch manchmal das Gefühl, dass sie ein Stoppschild sehen, wo Sie selbst überzeugt sind, ich könnte doch einfach drüber fahren, ich weiß bestimmt, dass nichts passiert! Bei Entscheidungen in bestimmten Situationen, wo andere meinen ... psst, das tut man doch nicht! Und man tut es einfach nicht, weil es sich nicht gehört.

Wenn Sie doch einmal warten müssen, dann denken Sie einfach daran, dass Sie bei grün eben genau das machen dürfen, was Sie sich die ganze Zeit über gedacht haben ... ähm nämlich fahren ... zumindest versuche ich dieser Einstellung näher zu kommen.

lüben Gruß und gute Fahrt
wünscht Ihnen
Umo

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