Die einsame Insel ... weiter gehts ...

Veröffentlicht auf von Umo

Guten Tag, werte Dame, werter Herr!

 

Also weiter geht es mit der Insel. Tja, ich schreibe jetzt so, als wäre ich wirklich dort. Ich hoffe, es ist Ihnen so recht. Ich weiß ja nicht, wie Sie denken, sondern kann nur davon schreiben, wie ich denke.

 

Es kommen mir einige Freunde in den Sinn, beispielsweise Herr Hans Schüller, er ist ein hervorragender Energetiker, und da ich ja ziemlich aufgebracht bin, würde ich mir einiges von seinen Lehren zu nutzen machen. Sein Lieblingszitat: "Es ist." Anfangs würde ich mich darüber ärgern. Diese zwei Worte "es ist". Da könnt ich weiter philosophieren: es ist ja mächtig blöd. Andererseits: es ist halt, wie es ist. Was soll man machen? Manchmal fühlt man sich eben alleine oder in Situationen, wo man nicht weiß, wie es weiter geht. Und manchmal übersieht man dadurch die Schönheit der Natur, weil man sich damit beschäftigt, wie man von dieser Insel runter kommt. Geht es gut aus und man ist wieder zu Hause, ärgert man sich, warum man es nicht genoßen hat und sich so dermaßen rein gesteigert hat, dass man eben nicht einmal entspannt am Meer gesessen ist oder darin gebadet hat (obwohl, da muss ich erwähnen, bin ich etwas ängstlich, wenn ich nicht weiß, was darin noch so herum schwimmt).

 

Weiters denk ich dann sicher auch an Karin Mlak, und würde mich ärgern, dass ich meine Delila Tropfen nicht mitgenommen habe. Weil ich ja nur verdammt noch mal 3 Dinge mitnehmen durfte (warum auch gerade nur 3???) und ich sie so gewählt habe, wie sie in der Vergangenheit (vor 3 Tagen) Wichtigkeit für mich hatten. Nen Müsliriegel zur Beruhigung, klar.

 

Aber es geht ja noch weiter. Ich bin natürlich auch froh, auf dieser einsamen Insel gelandet zu sein. Ich müsste zwar neu aufbauen, aber das muss man im Leben immer. Ob es bewusst oder unbewusst geschieht. Ich könnte mein Häuschen nach meinen Vorstellungen bauen und würde von niemandem irgendwelche Kritiken entgegen nehmen müssen, wie: "Mensch Umo, das Haus ist ja völlig schief." oder: "wieso baust du nicht das oder das dazu?"

 

Die ganze Meckerei würde wegfallen. Aber zugleich würd sie mir mächtig fehlen. Ich würde einmal alles richtig machen und dennoch würde ich zugleich keine Aufmerksamkeit bekommen. Und wir Menschen stehen auf Aufmerksamkeit, egal in welcher Hinsicht.

 

Wie Sie wissen, arbeite ich neben dem Denken an meinem Häuschen. Für den Schutz. Okay, vorstellen würde ich mir eine Villa aus Holz, wie die verschollenen Personen im Fernsehen, die es immer irgendwie schaffen, perfekte Architekten zu werden, wenn sie auf so ner Insel stranden. Robinson Cruiso beispielsweise hat mit Freitag ein Traumbaumhaus erschaffen, wo ich mich frage, ob er nach den Dreharbeiten überlegt hat, Architekt zu werden. Der Typ ist ja mächtig gut darin und würde sehr viele Aufträge bekommen.

 

Und sowas will ich natürlich auch. Aber auf dem Boden, denn bis ich auf dem Baum raufkomme (und da frag ich mich auch immer, wie die das auf einmal alle im Film schaffen, plötzlich alles hervorragend zu bewältigen), ist vermutlich ein Jahr vergangen und ich hätte noch immer keine Hütte.

 

Ich wette, dass es ich in meinen Vorstellungen wieder mächtig übertrieben habe, dass sich die Villa in eine abrisssreife Bude entwickelt  und ich mich darüber ärgere, was ich denn falsch gemacht hätte, dass da nicht eine Villa da steht, sondern lediglich etwa 1m² großer Berg aus Holz, den ich leicht mit den Sonnwendfeiern verwechseln könnte, aber dennoch Schutz bietet. Vielleicht auch dadurch Schutz bietet, da niemand damit rechnen würde, dass ausgerechnet da drin ein Mensch wohnen könnte.

 

Aber wissen Sie was? Arbeit macht hungrig. Obgleich diese Insel bestimmt auch ein Vorteil für mein klitzekleines Übergewicht mit sich bringen könnte, müsste es ja auf einsamen Inseln etwas zu essen geben.

 

Ich würde mich an Filme erinnern, wo die Hauptdarsteller nicht nur hervorragende Architekten wurden, sondern auch Meister waren im Jagen und Kräuter sammeln! Und das von Anhieb an! Die haben das nicht einmal erlernen müssen! Und wenn die das können, könnt ich das auch.

 

Ich schätze, dass es auf so Inseln auch Bananen gibt. Da ich Bananen von giftigen Sachen unterscheiden kann und ich schon zu vorsichtigen Menschen gehöre, was Essen betrifft (aber trotzdem gerne ausprobiere), würde ich Bananen essen. Aber ich würde mich auch umsehen, ob ich anderes erkenne. Denn Bananen stopfen ja angeblich und da ich keine Tabletten dagegen mit hätte (ich will ja nicht nachtragend sein, aber schön langsam frage ich mich wirklich, warum es ausgerechnet 3 Dinge sein sollten und nicht mehr ...), müsste ich aufpassen, weil ich möchte nicht Bauchweh bekommen. Vermutlich würde ich das aber wieder in meiner Gier übersehen und trotzdem Bauchweh kriegen.

 

Tja, schön langsam baue ich mir dort ja ein richtiges Leben auf. Aber was ist, wenn ich plötzlich einen Skorpion entdecken würde? Oder irgend ein Vieh, dass mir nicht geheuer wäre? Am allerschlimmsten wäre es, wenn ich es während meinem Gang zur Toilette (das wäre bestimmt hinter einem Busch, den ich dazu deklariere)  entdecke. Ich glaube, wenn ich gerade so da hocke und das Vieh ... vielleicht eine Schlange ... würde vor mir auftauchen, würde ich mich nicht bewegen, weil ich so Angst hätte (das wäre wiederum gut, mich nicht zu bewegen), mir wünschen, keine Blähungen zu haben, um nicht aufzufallen (das wäre nach Bananen schlecht ...) und dann würd ich ... ja, ich würde heulen. Na und? Ich bin nicht so ein Kinostar, die plötzlich alles können auf dieser Insel. Und ja, ich weiß, dass das Heulen da nichts bringt. Aber glauben Sie, ich wär da plötzlich eine eiskalte Kämpferin, die wüsste, was sie mit solchen Tieren machen könnte? Und das noch bei herabgelassenen Hosen??

 

Und jetzt bitte keine Ratschläge, denn ich bin ja auf einer einsamen Insel und ja, ich höre diese Ratschläge "Geh Umo, jetzt reiß dich zusammen" zwar nicht real, aber ich glaube, sie würden mir ständig in Gedanken erscheinen, ... keine Ahnung warum, vielleicht weil der Mensch nach 30 Jahren sich daran gewöhnt.

 

Aber ich glaube, ich würde Glück haben und das Tier würde sich für mich gar nicht interessieren. Hoffen darf ich ja. Außerdem schreibe ich ja diese Geschichte und darum interessiert sich das Tier für mich nicht. Denn ich habe ja keine ärztliche Ausbildung, wüsste lediglich, dass man bei einem Schlangenbiss etwas um seinen Körperteil binden muss, und kräftig saugen und spucken. Aber das ist ja auch wieder etwas, was mich fasziniert. In den Filmen sind die auf einsamen Inseln plötzlich nicht nur gute Architekten, mit hervorragenden Kenntnissen, was das Essen betrifft, sondern auch verdammt gute Ärzte! Da bin ich ja wirklich nichts dagegen!

 

Aber ich lasse diesen Eintrag mal für heute gut sein und werde mir morgen darüber Gedanken zu machen, wieder einmal jemandem zu schreiben.

 

Liebe Grüße


Ihre

Umo

 

 

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