Christkind im Krieg ...

Veröffentlicht auf von Umo

Tragisch aber wahr, ich habs gesehen ... dieses blonde Engerl, trotzig saß es auf seiner weißen Bettdecke, im weißen Hemd, blonde Locken, die über ihr trauriges, tränenreiches Gesicht hingen. Die weißen, prächtigen Flügerl, die am Rücken hängen und ihre Nase läuft. "Ich war über Jahre hinweg der Star bei vielen Häusern. Meine Güte, das tat meiner Seele gut, wenn alle mich anhimmelten und sich über mein Kommen freuten. Wissen Sie", sagte sie zu mir, "ich bin ein bisschen narzistisch, ich brauche diesen Balsam ein bisschen und gebe dafür auch."

 

Aber jetzt scheint alles aus zu sein. Der Weihnachtsmann stieß sie einfach vom 1. Platz und bringt nun die Geschenke. Es ist, als wär da schon ein kleiner Krieg ausgebrochen, obgleich das Weihnachtsfest ja eine Zeit des Friedens und Wohlfühlens sein sollte. Aber bitte, das lässt sich das Christkind jetzt auch nicht mehr gefallen.

 

"Überall hängt der Weihnachtsmann rum oder seine Renntiere. Dabei finde ich, wär es ja auch süß, wenn ich am Balkon hängen würde, ich wär sogar eleganter unterwegs mit den Flügerln und laut Marketing hätte ich sogar die optimale Figur. Ich habe nichts gegen dem Weihnachtsmann, aber kann man nicht manchmal den eigenen Brauchtum beibehalten?"

 

Jetzt kullern die ersten Tränen und das Christkind schneuzt sich heftig in ein von mir gegebenes Taschentuch. "Aber wissen Sie. Was reicht, das reicht. Ich seh da sicher nicht so einfach zu. Ich möchte auch wieder rumfliegen und kleine Kinder zum Staunen versetzen oder Zauber in die Herzen bringen. Aber das wird wohl nicht ohne Krieg gehen. Es folgen ja alle immer dem, das mächtiger ist."

 

So sprang das Christkind auf, eilte in sein Badezimmer und ich wage zu sagen, dass ich einen gewissen Sound wahr genommen hatte (ungefähr so: link ). Mir wurde schön langsam mulmig zumute. Das liebe, süße Christkind ... so kannte ich es gar nicht. Zumindest früher nicht.

 

Ich eilte mit ihr ins Bad, um zu sehen, was es tat. In diesem wunderschön, weißen, samtigen Bad stand es nun vorm Spiegel und schmierte sich seine süßen Wangenbäckchen mit schwarz-grüner Farbe an. Weiters eilte sie wiederum in ihr Schlafzimmer und ... man glaubt es kaum ... zwischen ihren strahlend weißen (vielleicht verwendet sie Backpulver beim Waschen oder ein bestimmtes Waschpulver) war etwas ganz ungewöhnliches. "Das hab ich mir vor kurzem gekauft", schniefte es, "ich dachte, ich könnte mal Abwechslung vertragen." Und zog sich das Hemdchen über, in den Tarnfarben braun, grün und etwas weiß. Es erinnerte mich beinahe an das Bundesheer. Aber ich könnte mich auch täuschen.

 

"Niemand mag mehr Weihnachten. So viele gibt es, die sagen, Weihnachten wäre schön, wenn ... aber für sie ist es nicht schön. Ich finde es schade ... sie übersehen es ... das tut weh" erwähnte das Christkind und bindete ihre Haare zu einem eleganten Zopf. Dann zog sie eine Tarnkappe aus dem Kleiderschrank. "Für alle Fälle", meinte es, "für alle Fälle."

 

Es zog mich wider Willen mit den Worten "Auf gehts" mit sich in ihren funkelnd weißen Sportwagen, der bestimmt über 400 PS mit sich brachte. Ich glaube, es ist ein Aston Martin, aber sicher bin ich mir natürlich nicht.

 

Was da auf mich zukommt, davon wage ich nicht mal zu träumen ... vielleicht erfahren wir ja noch mehr

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